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Wissenschaftliches Logbuch Private Gedanken und Internet-Fundstücke Literatur


25.7.2001
So gehts dahin mit der Wissenschaft: Es tropft in der Instituts-Bücherei durch Dach. Durch ist nicht ganz richtig, denn es regnet gar nicht. Wo das Wasser herkommt ist unbekannt. Gesammelt wird es in eilig hingestellten Post-Wannen. Der einzige Trost: Es betrifft nicht nur die Ethnologen, sondern auch die Informatiker, die ja erst vor kurzem einen Riesen-Etat bekommen haben. Jetzt hör ich auf, bevor ich mich aus Anlass dieser Banalie in Wortspielen von Etatlöchern, maroder Uni und tröpfelnden Geldern verliere.

25.7.2001
Und noch ein schönes Fundstück: In der Enzyclopedia of World Cultures gibtes in Deutschland nur Deutsche und Bayern. Sonst nix. Interessant sind die kulturellen Eigenschaften der Bayern zu lesen, dabei durchaus zutreffend. "Der Bayer ist beim Tod sehr pragmatisch. Er begnügt sich mit den Ritualen der Römisch-Katholischen Kirche" (sinngemäß zitiert). Und bei der "religion" der "germans": "Neben dem Christentum wenden sich immer mehr Germans den sekulären Alternativen wie Rationalismus, Nationalismus, Sozialismus und - in jüngster Zeit - Kapitalismus und Ökologismus zu." (sinngemäß zitiert).

25.7.2001
Na wenn das keine schöne Beschreibung einer Hexe ist (aus dem Mythos eines balinesischen Totenfestes):
"Rangda, von einem einzigen Mann getanzt, ist eine scheußliche Gestalt. Ihre augen treten wie Geschwüre aus der Stirn hervor. Sie hat keine Zähne, sondern Hauer, die sich über den Backen aufwärts biegen, un Reißer, die hinab über das Kinn ragen. Ihr gelbliches Haar hängt verfilzt und wirr um ihren Körper herum. Ihre Brüste sind trockene, herabhängende behaarte Zitzen, zwischen denen Ketten gefärbter Därme wie Würste baumeln. Ihre lange, rote Zunge gleicht einem Feuerstrom. Beim Tanz spreizt sie ihre totenweiße Hände mit den gut dreißig Zentimeter langen klauenartigen Fingernägeln und stößt immer wieder ein entnervendes meallisches Gelächter aus." (Geertz 1983, S. 80)

25.7.2001
Beim Lesen von Geertz kam mir ein Gedanke. Ich las gerade einen Text über die javanische Vorstellung von der Paradiesvertreibung: Danach mussten die Menschen pro Tag nur ein Hirsekorn essen und waren rundum von Gott beschützt. Eines Tages begonn aber die Frau, immer mehr Hirse zu ernten und voller Fleiß im Hirsefeld zu hacken. Dabei traf sie versehentlich Gott, der sich beleidigt in den Himmel zurückzog und fortan sich nicht mehr um die Menschen kümmerte.
Nach kurzem Nachdenken kam mir der kurze Gedanke, dass nur Menschen mit Tierzucht auf so eine Geschichte kommen. Denn die Menschen werden ja hilflos auf der Erde gelassen, und nicht mehr betreut, so wie ein Hirte etwa seine Schäflein betreut. Kurz nach diesem Gedanke schaltete mein Gehirn allerdings die ethnologische Warnung dazwischen, dass man solche Dinge nicht so verkürzt darstellen soll. Dieser Funktionalismus, nach der Kultur und Religion in ein sinngebendem Raster gepresst wird, ist ja unzulässig und wurde häufig kritisiert. Berühmte Beispiele:
- "Kanniablen essen Menschen wegen Protein-Mangel"
- "Juden dürfen kein Schweinefleisch essen, weil es damals wegen den Trichinen (?) zu gefährlich war."
Dazu kam mir Folgendes: Es ist nicht unbedingt unzulässig. Es kann ja nicht völlig ausgeschlossen sein, dass der ständige Umgang mit Tieren diese Form der Vertreibung aus dem Paradies begünstigte. Aber es brint mich nicht viel weiter, oder besser, es bringt mich nur auf dieser Ebene weiter. Was spielt es schon für eine Rolle, wie genau nun dieser Mythos formuliert ist? Andere Fragen sind möglicherweise viel wichtiger. Und das bestimme ich als Ethnologe. Wenn es wichtig finde, Formen der Vertreibung und ihren Zusammenhang mit den Lebensformen zu betrachten, dann kann ich solche Vermutungen anstellen. Wenn mich aber andere Fragen interessieren (und das wird meistens der Fall sein), dann ist diese Spekulation überflüssig. Sie wird mir den Weg verstellen, über die vielen anderen möglichen Motive dieses Mythos zu spekulieren. Und ich kann mir sehr viele Motive vorstellen, die durch weitaus tiefgreifendere Emotionen, Ängste oder religiöse Sehnsüchte ausgelöst wurden, als das Detail dieser Paradiesvertreibung.

23.7.2001
Geertz, Dichte Beschreibung begonnen. Er scheint soetwas wie eine Vorstufe der literarischen Ethnologie zu sein. Klingt bisher alles sehr vernünftig. Anlehnung an semiotische Systeme. Das alte Beispiel vom Augenzucken und dem bewussten Zwinkern. Ethnologie kann nur Beschreibung sein, die das bewusste Zwinkern interpretiert ("dicht")und nicht nur als Zucken beschreibt ("dünn").

18.7.2001
Viriavuncolokal...das tollste Wort des Tages. Aber auch Patriliniale Kreuzbasenheirat ist ein geiles Wort. Kurzum, es ging heute um Verwandschafts- und Familienethnologie. Das war höchste Zeit das nachzuholen. Dabei stellte ich mir ernsthaft die Frage, was der Unterschied zwischen den deutschen Wörtern lineal, linear und liniar ist. Auch der Duden wusste keine vernünftige Antwort, wenn er sie auch auflistete. Das Ritus und Ritual dasselbe ist, konnte ich schliesslich im Religions-Handwörterbuch von Kohl (u.a.) nachschauen.
Am Ende ging es dann noch um die soziologische Sichtweise von Religion, nach der man an der Gesellschaft sozusagen die Religion ablesen kann. Natürlich hat die Kultur eines Volkes etwas mit der Religion zu tun, aber es ist doch mal wieder kurzsichtig, das so mechanistisch voneinander abzuleiten. War klar: Emile Durkheimn ist mal wieder für alles verantwortlich. Die andere Sichtweise, die "kulturwissenschaftliche" klang da schon besser: Religion ist als eigenes System mit eigenen Regeln zu betrachten. Leider hat das als erstes Levi-Strauss beobachtet, und der ist ja auch nicht ganz unbescholten mit seinem strikten Strukturalismus. Mehr kann ich noch nicht dazu sagen, es wird Zeit dass ich die Ansätze der Postmoderne lesen und in das Gebiet Religionssoziologie stärker einsteige.

17.7.2001
Mein Professor hat heute mal wieder einen ziemlich beeindruckenden Vortrag gehalten. Ursprünglich sollte zwar nur eine Frage zur Seele im Buddhismus beantwortet werden, dann ging es aber über die Derwische, ihrer tanzenden Exstase, der Love-Parade mit ganz ähnlichen Eigenschaften über die Religionszusammenhänge von Iranischen Urreligionen, Sufismus, Islam und Christentum.
Anschließend mit Vivelo weiterexzerpiert und nach geeigneten Zitierungs-Leitfäden umgeschaut. Die DIN-Norm 1505 ist penibel und umfangreich und deshalb sehr gut geeignet. Allerdings wird dort "von Goethe, Johann W." zitiert (unter "G") und nicht "Goethe, Johann W. von). Das ist bisher die einzige Regel dieser DIN-Norm, die ich brechen möchte. Daneben gibt es noch die RAK-WB für Bibliotheken, die aber nicht so geeignet ist.

16.7.2001
Im Kolloqium mal wieder über den Dualismus diskutiert. Es gab zunächst ein ziemliches Missverständnis, weil alle dachten, ich störe mich an dem Widerspruch, den sie eben schon aufgelöst haben, indem sie die Kultur einfach so akzeptieren wie sie ist. Das tun sie zwar, aber sie glauben das andere ja nicht. Zugegeben, das andere glauben möchte ich eigentlich nicht. Ich möchte eigentlich nicht anfangen, schamanistische Heilungs-Rituale zu begehen. Gerade dieses "Going-Native" hat mich ja bei anderen immer gestört und scheint auch in der Kolloqiums-Gruppe negativ angesehen zu sein. Andererseits, es gibt vielleicht andere Dinge, die man trotz Widersprüche glauben möchte. Mal sehen, ob mir mal soetwas einfällt.
Beim Exzerpieren von Vivelos Kulturanthropolgie ist mir aufgefallen, dass er doch ein bisschen materialistisch denkt. Die Vermischung mit der Soziologie scheint dort auch ein wenig die Ethnologie zu beeinflussen. Er schreibt, dass soziale Schichten erst ab Gesellschaften mit produzierendem Wirtschaftsformen auftreten. Hmm. Nachdem alle anderen Gesellschaften immer sehr klein bleiben, ist wohl das der wahre Grund. Wie soll sich bei 50 Leuten eine soziale schichtung einstellen? Das spricht man eher von individuellem Ansehen.
Hochinteressant die Sklaverei: Ich wusste nicht, dass die afrikanischen Sklaven in Afrika als solche von Afrikanern verkauft wurden.

11.7.2001
Test Eintrag mit einem ganz langen Ende, so dass ich auch sehe, ob ein Zeilenumbruch später einmal stattfindet. Hier im Editor hat es ihn jetzt gegeben, aber später muss er ja möglicherweise an einer anderen Stelle sein. Und welches wird jetzt hier verändert? So, jetzt gebe ich die ganze Rumprobiererei auf. Jetzt gibts was zu essen.

Beginn des monatlichen Logbuchs


31.7.2001
Bundesdance auf den Online-Seiten der Süddeutschen Zeitung ist ein Plagiat. Das witzige Politikertanzen geistert momentan über das virtuelle Hören-Sagen durch das deutsche Internet. Die Original-Version sind dagegen die Stereo-MPs von MTV-England. Da wurde bis ins Detail von der Idee abgekupfert. Obwohl, lustiger ist das von SZ-Online schon.
Entdeckt von lepidium@gmx.de.

31.7.2001
Schade. Ich wollte mir meinen ersten Robocup im Internet live anschauen. Aber im Unterscheid zu den Vorjahren gibt es bei spiegel.de keine Berichte mehr. Hm. Dann bin ich wohl auf die etwas umständlichen Seiten von Robocup.org und den Berliner Fu-Fighters angewiesen. Von Live-Stream aber keine Spur.

31.7.2001
Nachdem ich schon seit Tagen auf dieser spannenden Web-Site rumsurfe, nun die offizielle Erwähnung: Das FlashForward Filmfestival. Die beeindruckendsten Websiten des Jahres 2001, die Flash benutzen. Das ist definitiv die Zukunft - obwohl - bei manchen Seiten staunt man schon ein wenig über die Nutzlosigkeit: Da wird geradzu verschwenderisch aufwendig mit einem enormen technischen Aufwand Nutzlosigkeit demonstriert. Allen voran die künstlerischen Seiten. Find ich gut.

30.7.2001
Und noch mal ein Bezug zum Schockwellenreiter: Der lästerte vor kurzem über die Apostrophitis, also Sachen wie "Irma's Kaffeehaus'erl". Dazu fand ich erstens diesen saukomischen Link:
Die neue Rechtschreibung auf Joey's hp
Der falsche (oder besser: falsche aber dudengeduldete) Apostroph erscheint leider nur im Titel der Seite - aber trotzdem ziemlich frech, wie ich finde. So ist das Internet.
Zweitens finde ich, dass die Punkteritis bei Zahlen fast genauso schlimm ist und selbst bei renommierten Zeitungsverlagen wie z.B. dem Stern (Beispiel) Anwendung findet. Ums klar auszudrücken: Bruchzahlen schreibt man mit Komma!


30.7.2001
Jetzt mach ich es mal dem Schockwellenreiter nach. Dort gab es mal eine lange Serie von gesammelten Errors (die ich allerdings schon auf anderen Seiten gesehen habe. Hier ein wahnsinnig lustiger Error. Hahaha! Was für eine lustige Laufwerksangabe! Outlook ist echt 'n komischer Geselle.
Naja - immerhin ein selbstgefundener Error.

18.7.2001
Die bisher beste deutsche Liste von Weblogs gibts hier: http://www.ideenreich.com/weblog/links.shtml

12.7.2001
Bevor ich's vergess': Plastic.com hiess diese spannende Seite, bei der zahlreiche User Nachrichten aus aller Welt zusammentragen. Da sind immer ein paar lustige dabei - so wie die viereckigen japanischen Wassermelonen.

11.7.2001
Auch hier ein kleiner Test-Eintrag.

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