Mosaikum 1.0
Von KerLeone


Fragmente aus Raum, Zeit und Medien
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[29.08.2011] 
Der Rauch
Es wird gequalmt, Wolken aus Pfeifen, Zigarren, Zigaretten in die Luft, daß die ganze Riesenhalle vernebelt. Der Rauch sucht, wenn es ihm zu rauchig wird, vermöge seiner Leichtigkeit oben zu entweichen, findet auch richtig Ritzen, Löcher und Ventilatoren, die bereit sind, in zu befördern. Draußen jedoch, draußen ist schwarze Nacht, Kälte. Da bereut der Rauch seine Leichtigkeit, sträubt sich gegen seine Konstitution, aber es ist nichts rückgängig zu machen infolge einseitiger Drehung der Ventilatoren. Zu spät. Von physikalischen Gesetzen sieht er sich umgeben. Der Rauch weiß nicht, wie ihm ist, faßt sich an die Stirn und sie ist nicht da, er will denken und kann nicht. Der wind, die Kälte, die Nacht hat ihn, und ward nicht mehr gesehn.
Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz
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[27.08.2011] 
Angler-Bogart und der halbdeutsche Walter
saone_angler_bogart.jpg
Irgendwo an dem französischen Fluss Saone - der Leser denke sich das kleine Dach auf dem O oder dem A dazu, ich bin zu faul - gibt es einen sehr schönen, versteckten Platz mit einer großen gemähten Wiese und einer idyllischen Feuerstelle. Neben der Feuerstelle steht eine prächtige Esche, die mit ihren Ästen viel Schatten wirft. Das ist wichtig, denn es ist momentan sehr heiß in Frankreich. Deswegen war ich froh, als ich diesen schönen Platz gefunden hatte und stellte meinen Hanomag, meinen Lesetisch und meinen Liegestuhl unter den Baum.
Eine Stunde veging, dann kamen zwei klapprige Renaults über den Feldweg angefahren. "Angeln?", rief der Fahrer. "Nein", antwortete ich. Damit war unser Schicksal besiegelt, denn Plätze an der Saone werden nach den Gesetzen der Angler aufgeteilt, nicht nach denen der Einsielder. Die zwei Autos kamen unter den Baum, Knetmasse und ein Schlauchboot kam unter den Baum, zwei Zelte und ein kleiner Tisch und eine Kühlbox kamen unter den Baum. Fertig war die Petrischale für unser Sozialsystem.
Die Eltern stellt man sich am einfachsten wie Humphrey Bogart und Katherine Hepburn in African Queen vor. Der Vater, ein großer, schlanker, dunkelhäutiger Franzose mit leicht grauem Haar und Tätowierungen, hatte den ganzen Tag eine Zigarette im Mundwinkel und fischte mit vier Angeln und zwei Reusen gleichzeitig. Er ist so ein Typ, der alles im großen Stil macht. So einer mit Anglerzelt und eimerweise Köder. Entsprechend hängte er alle Fische, die er fing, in Hoffnung auf "Le big fish" als Köder wieder in den Fluss, irgendwie befreiten die sich aber und deswegen gab es also drei Tage gar keinen Fisch. Ich bin mir nicht sicher, ob das normal ist oder bereits als Charakterbeschreibung dienen kann. Die hübsche, blonde Mutter hatte einen Strohhut auf dem Kopf, Betty Boop aufs Bein tätowiert und quatschte und lachte den ganzen Tag. Abends war sie still, da genoß sie ein bisschen was vom selbstangebauten Gras. Außerdem briet sie uns allen marrokanische Saucissons oder Hühnchen in der Pfanne, so stark, dass alles schwarz wurde. Auch hier bin ich ja eher dazu geneigt, dass als Charakterstärke auszulegen.
Innerhalb weniger Stunden organisierten wir uns sozial unter diesem Baum, der Alltag wurde geteilt, ohne dass man das igendwie besprochen hätte, der enge Raum zwang uns dazu und die Kinder wirkten wie ein Katalysator für diesen Zwang. Das Essen, der Wein, das Abspülen, der Kühlschrank, die freie Zeit - alles geteilt. Der etwa achtjährige Sohn spielte den ganzen Tag Spiele auf meinem Handy, das Lieblingsspiel der sechsjährigen Tochter hieß dagegen "petit voyage" und fand mehrmals am Tag statt. Eine Reise in meinem Hanomag, die dauerte etwa fünf Minuten und bestand im wesentlichen aus Anschnallen, Türen und Fenster schließen, blinken, hupen, am Lenkrad drehn und Musik hören, bis ich mit gebrochenem Französisch sagte "Nous arrivons!".
Nach zwei Tage kam dann Walter mit seiner Familie und beendeten die Idylle. Walter war zur Hälfte Deutscher, darauf war er sehr stolz, genauso wie auf die Blondheit seines Sohnes, aber mehr deutsch als "JA!" und "NEIN!" konnte er nicht. Die Häfte der Zähne war grau-blau, die andere fehlte und ich war mir nicht sicher, ob das von den Schlägereien oder von den Drogen war. Walter drank Energy Drink mit Vodka und schnaufte immer total aufgeregt, wenn er etwas sagte und aus seinem Mund roch es als hätte man die Aservatenkammer der Berliner Polizei darin angezündet. Die Kinder plärrten die ganze Zeit, schlugen die anderen Kinder, wurden dann zur Strafe am Arm herumgezogen, wie ich es nur aus dem Fernsehen kannte oder mussten zwei Minuten in der Ecke stehen. Ständig liefen die Eltern den beiden Kindern hinterher, untersagte ihnen irgendwas und alles machte so einen Trubel, dass ich eigentlich gerne sofort weitergefahren wäre. Aber irgendwie blieb ich dann. Und als Walter nachts um zwei dann total bekifft war, die betrunkene Lora gefühlte tausendmal in den Brennesseln gestürzt war und der andere, der Angler-Bogart, total betrunken herumfurzte und billige Witze über Schwule machte, war das alles schon wieder so komisch, dass ich es nicht bereute.
Am nächsten Tag bin ich dann aber gefahren, noch bevor Walter den Alkohol aus der halben Flasche Glennfiddich, die ich ihm aus loyaler Gastfreundschaft hingestellt hatte, komplett in seinen Schlafsack reingeschwitzt hatte.
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[15.08.2011] 
Aus dem Leben der Hochleistungs-Fußgänger
geher_allardice.jpg
This etching, drawn from life, depicts Barclay during his most infamous performance. On another occasion in 1808 he had started out one day at 5.00am, walked 30 miles grouse-shooting, had dinner, walked 60 miles to his house at Ury in 11 hours, walked a further 16 miles to Laurence Kirk, danced at a ball there, returned to Ury, arriving at 7.00 am and then spent that day partridge-shooting.
National Portrait Gallery, London
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[14.08.2011] 
Identität
Dieser dissoziative Moment wenn man bemerkt, dass die Wäsche, die unten im Hof rumflackt, die eigene ist.
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[5.08.2011] 
Matrix Bullet-Time am Münchner Eisbach
Die FUS-Crew, eine Gruppe Münchner Fluss-Surfer, hat bei einem Nike-Wettbewerb ein aberwitzig ambitioniertes Video eingereicht. Mit Matrix-Bullet-Time-Aufnahmen und einem Haufen anderer Tricks. Fein, fein.
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