Mosaikum 1.0
Von KerLeone


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12.9.2009
Der Selbstmord
Der Koffer wurde ihm zunehmend schwer in der Hand, je länger er lief
und als er hinaufstieg
bemerkte er, dass die Treppe sich hinter ihm zusammenfaltete
doch er schaute nicht zurück
im Zimmer machte er Licht und sah eine Kerze stehen
er hatte die Vorstellung, sie stecke in seinem Kopf
dann
spürte er im Koffer das plötzliche Gewicht eines gewaltigen Lärms
als rede eine gesamte Stadt darin
den ganzen Tag lang war er herumgelaufen
als suche er ein Loch in seinem Inneren
und von irgendwoher
waren Gewirr und endlose Gespräche geprasselt

Den ganzen Tag lang hatte er gespürt, wie Dinge sich
in seine Kleidung und in seinen Koffer verirrten
meist las er seine Gedanken von der Straße auf
oder griff sie aus der Luft
ebenso verlor er Dinge, auf die er nicht Acht gab
wie ein Gewand, das sich heimlich davonschlich

Dann merkte er, dass er den Blick nicht fassen konnte
aus der Leere
und ihm etwas davon in den Wimpern hängen blieb
wie ein Wort auf der Zungenspitze

Die Luft war warm
die Häuser
und die Stadt
folgten aufeinander
er konnte sich nicht erinnern, doch die Dinge stürzten auf ihn ein
als entstiegen sie einem Loch in der Zeit
er bahnte sich den Weg zu einer Straße, die aus der Ferne näher kam
Toren entgegen, die plötzlich aufleuchteten in der Finsternis
aus allen Richtungen vernahm er das Gemurmel
von Zeugen, die ihn identifizierten

Sie diskutierten, und geistesabwesend schnappte er
Fetzen ihrer Stimmen auf
unfähig, den Kopf aus dem Dunst zu heben

Er lief im Gestern
sie sprachen miteinander, und er würgte die Worte hervor
überholte Worte
er hatte die Sprache verloren
wandelte im Gedächtnis
als liefe er durch eine Ausstellung
in der ihm nichts gehörte
vergeblich musste er von neuem beginnen und wieder seinen Namen buchstabieren
und dies vom gegenüberliegenden Gehweg aus
doch immer, wenn er ansetzte
beengte ihn sogar der Schatten seines Hutes
und wann immer er merkte, dass seine Bewegungen stürzten und sich wiederholten
dass er den Atem anhalten musste
damit sein Rückgrat nicht jedes Mal klirrte, wenn er darauf achtete
und im Echo wogte
war dies zweifellos keine Bagatelle

Er musste also nichts tun
musste nur das Ende der Straße erklimmen
hinterließ dabei eine Schnur von Schritten, die er sich von den Füßen löste
er musste sich dort aufstellen wie ein Mast
(was an ein mittlerweile fernes Meer erinnerte)
und hinter sich
die Lampen eine nach der anderen erlöschen lassen

Am Morgen lag er ausgestreckt da
die Brille zerbrochen
doch aus seinen Augen strömte es weiß
auf dem Tisch befanden sich eine Zeitung und ein aufgeschlagenes Buch
eine Flasche und zwei leere Gläser
eine Schlaftablette
kleine Zeichnungen auf einem Blatt und der Versuch
ein Wort mit großen Buchstaben zu schreiben
und auf dem Tisch lag auch
ein blankpolierter Revolver
die Schuhe standen bereit
das Hemd lag gefaltet
und die Uhr auf einem Stuhl

Er trug halb einen Pyjama und halb Straßenkleidung
offensichtlich war er in mancherlei Hinsicht unentschlossen
als er sich erschoss
war das Zimmer im Großen und Ganzen aufgeräumt
die Zeit kroch langsam voran
wie eine Fliege eine Scheibe empor
auf der Straße rollten wie eine Welle ein Arzt, Polizisten und Genossen heran
die Polizisten waren sehr verärgert
denn er hatte ihnen nichts hinterlassen
der Arzt entdeckte keine Anzeichen für einen Komplott
die Genossen nahmen ihn streng ins Gericht
und auch wenn schon alle von seinem Selbstmord wussten
redeten sie unaufhörlich von seiner Leiche
und rezitierten - vielleicht - aus seinem Werk
ein Gedicht über die Zukunft
Abbas Beydoun: Der Selbstmord

12.9.2009
Nuun
Charakteristisch für die Weltsicht der Ozeanier ist etwa die Vorstellung, dass Menschen und Dinge nicht nur materiell vorhanden seien, sondern zugleich einen nicht-materiellen Doppelgänger hätten, eine geist-artige Entsprechung.
"Das Wort für das geistartige Doppel des Menschen heißt 'Nuun', aber dieses Wort kann auch bedeuten, dass ein Schatten oder Spiegelvorgang bezeichnet wird. Also wenn man sagen will "Die Sonne spiegelt sich im Wasser", muss man sagen, in deutsch übersetzt, "Die Sonne versieht sich mit einem geistartigen Doppel". Auch wenn ein Mensch sich einreibt mit Kokosöl, dass er glänzt, sind diese Wortformen im Spiel."
Für Spiegelungen und Schatten wird dasselbe Wort gebraucht wie für das geistartige Doppel. Einen Europäer muss das erstaunen: Etwas Immaterielles wird genauso benannt wie ein messbares physikalisches Phänomen! Es ist, als wenn wir unsere Seele als "unseren Spiegel" bezeichneten.
Deutschlandradio: Wie James Cook und die Südsee

7.9.2009
Essensliste bei Flann O'Brien
Sie begaben sich schnell in ein kleines Zimmer neben Miss Lamonts Schlafzimmer, in dem die gute Dame gerade in die Wochen kam, und stapelten die farbenprächtige Fülle ihrer schönen Gaben und Geschenke geschickt entlang den tapezierten Wänden auf - ihre goldenen Garben gereifter Gerste, Fässchen fetten Käses, Beeren und Eicheln und purpurne Yamswurzeln, Melonen und Markkürbis und milde Mast, viel löchrige Schwämme knusperrandigen Honigs und Haferbrote, irdene Krüge mit molkendickem Sekt, und Porzellanpokale mit schäumendem Schankbier, Sauerampfer und Mürbegebäck und grobkörnige Kuchen, Gurken, kalt, und daunenweiche, strohgefütterte Wiegen voll mit Holunderwein, der in meergrüne Eierbecher abgefüllt war und urnenförmige Fässer voll Melasse, zermatscht und zermengt mit dem reichen braunschweren Schaum breiiger, honigsüßer, brasierter Pilze. Ein reicher Ertrag der fruchtbaren Erde, bei Gott!
Flann O'Brien: Auf Schwimmen zwei Vögel, Kap. "Weiterer Bericht über die Reise des Pooka und Seiner Gefährten".

7.9.2009
Essensliste bei François Rabelais
Auf diese Wort fing man das Nachtessen an zu rüsten, und briet zum Ueberschuß sechzehn Ochsen, drey Stärken, zweyunddreyssig Kälber, dreyundsechzig säugende Geißlein, fünfundneunzig Hammel, dreyhundert Milchferken im feinen Most, zweyhundert zwanzig Rebhühnel, siebenhundert Schnepfen, vierhundert Kapphähn von Loudun und von Cornouaille, sechstausend Küchlein und eben so viel Tauben, sechshundert Poularden, vierzehnhundert Häslein, dreyhundert drey Trappen und siebzehnhundert Schrothennen. Von Wildpret konnt man so bald nichts haben als eilf Keuler, die der Abt von Turpenay schickt', und achtzehn Stück Rothwild, welche der Herr von Grandmont herschoß, nebst hundert zwanzig Fasanen, die der Herr von Essars schickt' und etlichen Dutzend Ringeltauben, Wasservögeln, Krichenten, Rohrdommel, Regenpfeifer, Fluder, Frankolin, Böllhinen, Antvögel, Kibitzen, Flornen, Löffelgans, Möven, Reigel, Rohrhähn, Sichler, Störch, Grieltrappen, Oranen, Flambart (ist Phönikopterus), Scholucher, Kalekutische Hennen, vollauf Kuskusu und Suppen die Hüll und Füll. Es hätt nicht Noth: zu leben gab es da überflüssig, und ward anständig zugericht durch Brühschleck, Quirlwein und Potporuri, Grandgoschiers Mundköch. Jonas, Michel und Spühlglas löschten den Durst aufs best.
François Rabelais: Gargantua und Pantagruel. Erstes Buch, Kap. 37.

7.9.2009
Wischmittel zum Arschwischen
Der kleine Gargantua erzählt, wie er auf dem Gebiet des Arschwischens nach verschiedenen Versuchen die beste Methode herausgefunden habe. Als Wischmittel dienen: Das sämtene Gesichtslärvchen einer Dame, ein Halstuch, ein Paar kaminrot seidner Ohrklappen, eine Frauenhaube, eine Märkatze (die ihm mit den Krallen das Hinterteil wund und blutig kratzt), die nach Benzoe duftenden Handschuhe seiner Mutter, sodann Salbei, Dill, Majoran, Kohlblätter, Salat, Lattich, Spinat, Rosen, Brennnesseln, Decken, Vorhänge, Servietten, Heu, Stroh, Wolle, ein Kissen, Pantoffeln, ein Ranzen, ein Korb, ein Hut. Als das vortrefflichste Wischmittel erwies sich ein zartfläumiges Gänslein:
Denn ihr verspürt dabei am Arschloch ein so wundersames Wollustgefühl, sowohl der weichen Flaumfedern wegen als auch wegen der temeprierten Wärme des Gänsleins, die sich ihne weiteres dem Mastdarm und den anderen Eingeweiden mitteilt und dann sogar in die Gegend des Herzens und ins Gehirn aufsteigt.
Und unter Berufung auf die "Ansicht des Magisters Johann Scotus" stellt Gargantua die Behauptung auf, die Seligkeit der Heroen und Halbgötter in Eleusis gerade darin liege, dass sie sich den Hintern mit einem Gänschen wischen. François Rabelais: Gargantua und Pantagruel. Zitiert nach Michail Bachtin, Chronotopos, S. 119.

7.9.2009
Die Geburt Gargantuas
Nach dem die Mutter von Gargantua zu viele Kutteln gegessen hatte und infolge des starken Durchfalls der Mastdarm herausgefallen war, begann die Geburt:
Zufolge dieses mißlichen Umstandes wurden oberhalb die Kotyledonen der Gebärmutter gelockert, durch welche das Kind aufwärts hüpfte und in die Hohlader eindrang, dann durch das Zwerchfell bis über die Achseln hinaufschlüpfte (wo die genannte Ader sich zweiteilt), hierauf links hinüberschwenkte und zuletzt durch das linke Ohr herauskam.
François Rabelais: Gargantua und Pantagruel. Zitiert nach Michail Bachtin, Chronotopos, S. 101.

7.9.2009
Mangel an Wartung
Kaum war er hereingekommen, zog er den Bratspieß, an dem ich stak, heraus und stach damit meinen Bratenwender mausetot, so daß er auf der Stelle starb, sei's mangels Wartung, sei's aus anderen Gründen
François Rabelais: Gargantua und Pantagruel. Zitiert nach Michail Bachtin, Chronotopos, S. 102.

7.9.2009
Rollschuhlaufmager
Sie ist mager, so wie ich, aber nicht häßlich mager. Rollschuhlaufmager, das ist sie. Ich habe ihr einmal vom Fenster aus nachgesehen, als sie über die Fifth Avenue zum Park ging, und da wußte ich plötzlich: Sie ist rollschuhlaufmager. Jeder müßte sie gern haben. Wenn man ihr etwas erzählt, weiß sie genau, von was man redet. Man kann sie überallhin mitnehmen. Wenn man zum Beispiel mit ihr in einen schlechten Film geht, weiß sie, daß es ein schlechter Film ist. Wenn man mit ihr in einen guten Film geht, weiß sie, daß es ein guter Film ist.
J. D. Salinger: Der Fänger im Roggen, S. 78-79.

1.9.2009
Noch eine kleine Randnotiz
Zudem ist die Genesis der Eselsmetamorphose an sich sehr komplexer Art.
Michail Bachtin, Chronotopos, S. 40

1.9.2009
Identitätskrise der Dinge
Interessant: Nach Bachtin gibt es nicht nur beim Menschen eine Identitätskrise, ausgelöst durch große gesellschaftliche Umbrüche wie z.B. die Industrialisierung. Sondern auch bei den Dingen, wie z.B. Sonne, Sterne, Erde, Meer. Diese seien dem Menschen in der "ackerbautreibenden Vorklassegesellschaft" ausschließlich im kollektiven Prozeß der Arbeit begegnet und nur in diesem Kontext wurden sie erkannt und begriffen. Bereits in den nachfolgenden Epochen sei es zum Zerfall von der festen Bindung dieser Gegensände an bestimmte Ereignisse des zeitlichen Zyklus gekommen. Dadurch wurde es erst möglich, Landschaft oder Natur im Roman lediglich als Kulisse, als Hintergrund zu verwenden.
Michail Bachtin, Chronotopos, S. 40

1.9.2009
Das bisschen Dortgewesensein
Und, Ingeborg, das bisschen Dortgewesensein...Die soundsoviel Stunden Südesee und Elefanten... Soll Dir nicht lieber Eric einen Elefanten zeichnen, der, wenn Du Glück hast, eine grosse Ähnlichkeit mit einer Feldmaus hat?
Paul Celan an Ingeborg Bachmann. Aus: Herzzeit. Ingeborg Bachmann - Paul Celan. Der Briefwechsel, S. 120.

1.9.2009
In der Luft
(...) seit ein paar Tagen große Wärme und Irrsinn in der Luft. Ich bin niedergeschlagen, aber nur deswegen.
Ingeborg Bachmann an Paul Celan. Aus: Herzzeit. Ingeborg Bachmann - Paul Celan. Der Briefwechsel, S. 87.

1.9.2009
Staunen über das Dasein
(...) als ich um vier Uhr morgens hellwach war, vergewisserte ich mich, daß Lo noch fest schlief (Mund offen, in einer Art von dumpfen Staunen über das merkwürdig inhaltslose Dasein, das wir alle für sie hergerichtet hatten) (...)

Valdimir Nabokov: Lolita, S. 350

1.9.2009
Urplötzlich in einer stürmischen Nacht
Lamartine schrieb einmal, ich weiß nicht mehr, über welches seiner Gedichte, es sei ihm spontan eingefallen, urplötzlich in einer stürmischen Nacht im Walde. Als er gestorben war, fand man seine Manuskripte mit zahlreichen Korrekture und Varianten, und besagtes Gedicht erwies sich als das vielleicht am meisten "bearbeitete" der gesamten französischen Literatur.
Umberto Eco: Nachschrift zum Namen der Rose, S. 18.

1.9.2009
Chuang Chou und der Schmetterling
Eines Tages träumte ich, Chuang Chou, ein Schmetterling zu sein, ein Schmetterling, der herumflog, und ich fühlte mich glücklich; ich wußte nicht, daß ich Chou war. Plötzlich erwachte ich und war ich selbst, der wirklich Chou. Und ich wußte nicht, war ich nun Chou, der träumte, ein Schmetterling zu sein, oder ein Schmetterling, der träumte, er sei "Chou."
Chuang-tzu, zitiert nach Mircea Eliade, Geschichte der religiösen Ideen, Band II, S. 35.

1.9.2009
Die Wolken sind sein Gespann
Der vollkommene Mensch ist reiner Geist. Er fühlt weder die Hitze des brennenden Strauchs noch die Kälte der über die Ufer getretenen Wasser; der Blitz, der die Berge verbrennt, und der Sturm, der den Ozean sich aufbäumen läßt, erschrecken ihn nicht. Die Wolken sind sein Gespann, Sonne und Mond sind seine Pferde. Er streift oberhalb der vier Meere herum; die Wechsel des Lebens und der Tod betreffen ihn nicht, weniger noch die Begriffe des Guten und des Bösen.
Chuang-tzu, zitiert nach Mircea Eliade, Geschichte der religiösen Ideen, Band II, S. 35.

1.9.2009
Philistervorhäute
Interessant: Für hundert Philistervorhäute konnte man sich im alten Israel zur Zeit Davids eine Frau kaufen.
2 Samuel 3,14
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[22.09.2009] 
Plants and Animals - Bye Bye Bye
Neu bei den Concerts à Emporter der französischen Blogotheque, wie gewohnt im fantastischen, blassfarbigen Stil und mal wieder im Treppenhaus, wie schon Beirut.
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[21.09.2009] 
Volltransparent
KerLeone schaut sich Fotos von volltransparenten Schreibtischunterlagen an.
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[21.09.2009] 
Die iZelle
"Das kann ich auch", dachte sich die Telefonzelle, als sie das neueste Smartphone sah.

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[19.09.2009] 
Oh, the Temptation

Via IT & W
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[16.09.2009] 
Rex Schnuffihund rockt
Rex the Dog - I Can See You, Can You See Me
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[14.09.2009] 
Lol
Adult-Babymöbel
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 1]

[13.09.2009] 
Schönheit im Umweltschutz
Das ist eine wahnsinnig poetische Idee, die sich in diesem langen Artikel über die Klimaerwärmung verbirgt: Der deutsche Ökovisionär Michael Braungart hat eine Eistüte entwickelt, in der Samen eingebaut sind, so dass Wildblumen wachsen werden, wo man die Tüte hingeworfen hat.
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[9.09.2009] 
In the 80s
everything rocked!
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[8.09.2009] 
Neustart der Exp.-Sign.-Labors
signifizierungs_labor.jpgVor fast einem Jahr habe ich ein Weblog gegründet, mit dem ich ein wenig meinen Schreibstil trainieren wollte: Das Experimentelle Signifizierungs-Labor. Irgendwie ist es eingeschlafen. Aber jetzt gehts weiter! Wer Lust hat macht mit: Alle 1-2 Wochen gibt es eine neue Aufgabe, die man kreativ mit Fotos, Videos, Texten, Zeichnungen oder sonstwas erfüllen muss. Diese Woche zum Beispiel: Eine fiktive Reise durch das eigene Zimmer. Ich hoffe es macht euch auch so viel Spaß wie mir!
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[7.09.2009] 
How the internet works
internet_comic.jpg
Als Bildergeschichte.
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[5.09.2009] 
Grundmuster in Animationen von Jugendlichen
1. Am Anfang des Schaffensprozess steht eine lange Phase der Nachdenkens über den Namen der Produktionsfirma, die das Werk präsentiert. 2. Der Film beginnt mit einem Vorspann, der länger ist als die Animation. 3. Die Geschichte darf keinen Sinn ergeben. 4. Die fehlende Pointe am Schluss wird durch Blut ersetzt.
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[3.09.2009] 
Brille (jenseits von Buch und Laptop)
Regentropfen: keine ästethische Veränderung, Enttäuschung. Wiese: unerträgliches Chaos von riesigen, hellen, dunklen, dicken und dünnen Grasbalken. Sehnsucht nach der gewöhnten Ordnung einer fleißigen Dioptrie. Fotoapparat: Bonk. Bonk. Bonk. Verstaubte Oberflächen: Unerträglich. Haut: zauberhaft, feine Haare werden sichtbar, feinste Falten in allen Geometrien -> großartig (wenn man die Leberflecken übersieht). Pornos: Nicht erwähnenswert, hatte mehr erwartet. Stoffe: interessant, ganz anders als ohne. Sterne: praktisch. Beim Einsteigen ins Auto: Das Brillengestell stolpert über fünf Cockpitstreben. Sturz, dreizehn messerscharf zerhackte Welten liegen am Boden des Kleinhirns ("Dieses Vorderlicht, ist das von dem türkisen Polo hier? Wem gehören diese Beine?" - "Keine Ahnung, puzzel du mal, ich fahr schonmal los.") Licht und Schatten: So sauber getrennt wie Gut und Böse in der Kirche -> Auf Dauer spannend. Spiegel: So alt, so klug! Schnell ein Tweedjacket kaufen und einen Roman schreiben. Vorher Haare waschen. Noch zu erblicken: Elefantenrüssel, Libelle, Schnee, tiefe Wunde.
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[3.09.2009] 
Freude der Autobahn
Schnell fahren - sonst nichts tun
(vielleicht Musik hören)
Man drückt das Pedal
(aber nur Gas, denn selten bremst man)

Freude des Überholens

Konzentration
Vielleicht mal eine Grimasse mit dem Gesicht wenn keiner guckt
Sonst nur extrem schnell fahren.

Freude des Kräftemessens

Raststätten huschen vorbei
man hält nicht, oder kaum
Das Benzin gluggert durch
(oder der Diesel, je nachdem)


Jeder hat ein Ziel
(aber nur eins)
und es ist geheim.

Geheimnisvolle Autobahn!
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Betreff: Pflege des Daseins
Den Beschluss gefasst, nach dem Essen von sauren Sachen den Mund mit Wasser auszuspülen.
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Uhhhhh yeah
Kerleone weiß jetzt, wie sich eine aufgeschnittene Zitrone anfühlt, die einen halben Tag lang an der Schnittfläche angetrocknet ist.
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Kugelschreiber, Whisky
Für das noch zu schreibende Survival-Handbuch für Schriftsteller: Ausgelaufene Kugelschreiber lassen sich besonders gut mit 18 Jahre altem Single Malt Scotch Whisky reinigen.
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Sachen, die ich am 4. August gesagt habe
"Bon Jour" (zu zwei Männern vom Gartenbauamt von Autun, die irgendetwas am Weiher machten)
"Bon Jour" (zu einem Mann mit seinem jungen, nicht gut eingerittenem Pferd, was daraufhin sehr wild wurde)
"Hallo. Bsssssss." (Zu einem komischen Insekt).
"Bon Jour" (zu einem Mann mit langen grauen Locken, lila Muskelshirt der aber nicht geantwortet hat. Sein Terrier schon.)
"Bon Jour" (Zu zwei Joggern).
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[3.09.2009] 
Game-Show
Ich hätte gern eine Game-Show, in der Frauen mit Anhängern rückwärts durch einen Parcour fahren müssen, während die jeweils besten Freundinnen hinten im Anhänger sitzen und laut schreiend Anweisungen geben.
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Die Frage, wo es so hingehen soll
Ich hab lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass es keine Unhöflichkeit ist, wenn Menschen, egal ob alte Bekannte oder Fremde, sich nicht dafür interessieren, was ich gerade mache, was für Träume ich habe oder wo die Reise hingeht. Viele Menschen laufen vor sich hin und können die Frage, die sich selber nicht stellen, natürlich auch anderen nicht stellen. Sie gehen selbstverständlich davon aus, dass wir alle doch das gleiche Ziel haben: Keinen Stress im Job, dass hin und wieder noch wer im Bett liegt, dass - ja das wars schon. Außerdem das halt nix schiefgeht, dass jeder mal die Spülmaschine ausräumt, einem keiner die Vorfahrt nimmt und dass sich der nächste Terroranschlag nicht auf die Petunien im eigenen Vorgarten setzt. Jetzt freue ich mich umso mehr, wenn jemand genau wissen will, was ich gerade mache und wie meine Pläne aussehen. Das zeigt, dass er sich auch selbst übelegt, wo es so insgesamt hingehen soll. Das ist so selten geworden .. und woran liegt das? Am Alter? Oder ist in dieser sogennanten Krise zwar das Geld noch nicht knapp geworden, dafür aber die Lebensentwürfe?
|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]

[3.09.2009] 
Während du schliefst
Während du schliefst, wuchsen die Babies, die Sterne schienen und die Schatten bewegten sich. Die Zeit verging, das Telefon klingelte. Da war eine Stille, als die Küche sang. Ihre Lieder rangen wie Kinder um Platz. Wir schauten für Stunden in das Gesicht unseres Schöpfers, sie zogen uns auf, sagten: "Schürft die Sonne und Gold; und wenn ihr fertig seid, dann kommt zurück."

Während du schliefst, stießt du dich und drehtest dich. Du rolltest deine Augen, als die Welt verbrannte, die Himmel fielen, die Erde bebte. Ich dachte, du musst es sein, aber du warst nicht wach, nein, du hast geschlafen, du hast die Sonne ignoriert, du hast deinen Energiegarten gepflegt, für die Kleinen, und du hast Ehefrauen für sie gefunden, am Weihnachtsabend. Sie haben den jungen Kain an den Adamsbäumen gehängt und getanzt.

Während du schliefst, stieß ich mich, und drehte mich, bis ich meine Augen schloss, aber die Zukunft brannte durch die Erde und färbte ein Haar grau, als ich den Tag wieder erlebte.

Während du schliefst, starb das Geld, die Maschinen waren ungefährlich und die Erde seufzte. Du schliefst gut durch den Wind und die Schwerkraft fing meine Liebe. Während die Hexen flogen, hob das Meer an und sang über den Verfall und die Meerjungfrauen blieben voller Träume. Du schliefst zu lange und ich versuchte still zu bleiben, kroch durch die Wände, ging auf Zehenspitzen, schickte Dunkelheit, die in der Früh durch die ganze Küche wirbelte. Ich werde dich nie einholen, du schläfst so tief! Meine Arme sind nutzlos, mein Herz schlägt zu laut, um Schlafen zu gehen. Mein Kopf ist zu voll.

Während du schliefst, änderte sich die Zeit, alle deine Dinge ordneten sich neu. Deine Vampirspiegel - Gesicht zu Gesicht - blickten für immer hinaus ins All und fanden dich träumend, in schwarz-weiß, während es in allen Farben der Nacht regnete.

Ich schaltete den Fernseher an. Erinnerungen, Meisterschaften verschwanden im Meer. Kann es sein Schatz, zwischen dir und mir?

Also wartete ich auf den durchsetzten Himmel, dass er sich wieder aufkläre bis zum Sonnenaufgang. Und ich habe einen Todesanzug fürs Leben gemacht. Für die krankgewitwete Frau meines Vaters. Hattest du diesen komischen Traum, bevor du aufwachtest? Weil in deinem Schoß hattest du den Schnmetterlingsflügel. Ist er dir entkommen, wie ein halb erzählter Witz, als du zu deiner Feder aus Rauch gegriffen hast?

Und es wird dich verfolgen mein Schatz, jeder, der irgendwer ist, hat diesen Traum. Bist du gefallen, bist du geflogen und hast du gerufen oder bist du gestorben? Aber Gott sei Dank bist du wach jetzt. Lass uns so bleiben, sonst wird es keinen Morgen und keine Tage mehr geben. Weil wenn wir träumen, dann wachsen die Babies, dann scheint die Sonne und die Schatten fließen. Die Zeit fliegt und das Telefon klingelt. Ein Stille ist da und jeder versucht zu singen.


|ö| = KerLeone  [Kommentare: 0]
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Mit einer Erfindung vom Mai 1941 hat Konrad Zuse gezeigt, dass ein Rechner aus einer Ansammlung von Transistoren bestehen kann. Diese Webseite wird auf ihrem Bildschirm so angezeigt, weil einige Transistoren in Ihrem Rechner eine bestimmte Stellung einnehmen. Wenn Sie mit dem, was Sie gerade auf Ihrem Bildschirm erkennen, ein Problem haben, wenden Sie sich an die Transistoren in Ihrem Rechner. Falls Ihnen die Kontrolle über die Tranistoren in Ihrem Rechner entglitten ist und Sie mit den Darstellungen auf Ihrem Bildschirm unzufrieden sind, empfehle ich Ihnen, den Rechner auszuschalten. Ich dagegen sehe mich außerstande, Verantwortung für Transistorenstellungen in Ihrem Rechner zu übernehmen (ich kenne Sie ja gar nicht).