Mosaikum 1.0
Von KerLeone


Fragmente aus Raum, Zeit und Medien
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[27.10.2010] 
Eine traurige Geschichte aus Japan

Via Boing Boing
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[24.10.2010] 
Über die Tiere und über das Trinken
Gilles-Deleuze-ABC bei Arte: Äußerst unterhaltsame Reihe. Erster Teil: Über das "animal" und über "boisson".
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[24.10.2010] 
Die Dissoziation
Nicht nur war ich immer außerordentlich zufrieden gewesen mit meiner sanftmütigen Bettgenossin und ihren cherubhaften Reizen, ich hatte neuerdings auch voll Dankbarkeit gegenüber der Natur und mit einem Schauder der Überraschung bemerkt, daß die Heftigkeit und Süße meiner nächtlichen Freuden zu einem exquisiten Gipfel gesteigert wurden, wenn ich mich auf eine gewisse Verirrung einließ, die meines Wissen unter überempfindlichen Männern von Mitte Dreißig nicht so ungewöhnlich ist, wie ich zunächst dachte. Ich meinte eine wohlbekannte Art von "Dissoziation". Bei mir begann sie in Ansätzen ein paar Monate vor meiner Reise nach Prag. Zum Beispiel lag ich mit Lydia im Bett und brachte gerade die kurze Folge vorbereitender Liebkosungen hinter mich, auf die sie ja ein Recht haben soll, als mir ganz plötzlich bewußt wurde, daß der Kobold der Spaltung das Kommando übernommen hatte. Mein Gesicht war in den Falten ihres Halses vergraben, ihre Beine hatten damit begonnen, mich einzuklemmen, der Aschenbecher purzelte vom Nachttisch herunter, das Weltall folgte, aber gleichzeitig, unbegreiflich und herrlich, stand ich nackt in der Mitte des Zimmers, die eine Hand auf die Lehne des Stuhls gestützt, über den sie Strümpfe und Höschen geworfen hatte. Das Gefühl, gleichzeitig an zwei Stellen zu sein, machte mir außerordentliches Vergnügen; aber das war noch nichts im Vergleich mit den späteren Entwicklungen. In meiner Ungeduld, mich zu spalten, trieb ich Lydia schnell zu Bett, sobald wir mit dem Abendessen fertig waren. Die Dissoziation hatte jetzt das Stadium der Vollkommenheit erreicht. Ich saß in einem Sessel, ein halbes Dutzend Schritte vom Bett entfernt, auf dem Lydia ordentlich untergebracht und zurechtgelegt war. Von meinem magischen Beobachtungspunkt aus verfolgte ich, wie die Wellen der Bewegung über meinen muskulösen Rücken liefen und ihn hinabstürzten und wie die Laboratoriumsbeleuchtung einer starken Nachttischlampe einen Perlmuttglanz im Rosa ihrer Knie herausgriff und einen Bronzeschimmer in ihrem über das Kissen ausgebreiteten Haar - denn das war ungefähr das einzige, was ich von ihr sehen konntem, solange meine massiger Rücken noch nicht heruntergeglitten war, um seiner keuchenden Vorderhälfte im Zuschauerraum wieder festen Halt zu geben. Die nächste Phase begann mit der Entdeckung, daß ich umso mehr in Ekstase geriet, je größer der Abstand zwischen meinen beiden Ichs war; deshalb setzte ich mich jede Nacht ein paar Zentimeter weiter vom Bett entfernt nieder, und bald erreichten die Hinterbeine meines Sessels die Schwelle der geöffneten Tür. Schließlich fand ich mich im Wohnzimmer sitzen - während ich im Schlafzimmer liebte. Es war immer noch nicht genug. Ich sehnte mich nach einer Möglichkeit, mich mindestens hundert Meter von der erleuchteten Bühne zu entfernen, auf der ich meine Vorstellung gab; ich sehnte mich, diese Schlafzimmerszene von irgendeiner fernen, obersten Galerie herab zu betrachten, aus dem blauen Dämmerlich unter den verschwimmenden Bildern des Sternenzelts; ein kleines, aber erkennbares und sehr rühriges Paar zu beobachten durch ein Opernglas, ein Jagdglas, ein riesiges Teleskop oder durch optische Instrumente von noch unbekannter Kraft, die mit meiner wachsenden Verzückung immer größer wurde. Tatsächlich gelangte ich nie weiter weg als bis zu Konsole im Wohnzimmer, und selbst dort versperrte der Türrahmen mir die Sicht auf das Bett, es sei denn, ich öffnete den Kleiderschrank im Schlafzimmer und ließ mir das Bett durch den abgewinkelten miroir oder das speculum reflektieren. Doch, ach, eines Nachts im April, als die Regenharfen aphrodisisch im Orchester gurgelten und ich in meiner Höchstentfernung von fünfzehn Sitzreihen saß und mich auf eine besonders gute Vorstellung freute - die tatsächlich bereits begonnen hatte, mein agierendes Selbst war kolossal in Form und höchst erfindungsreich -, vernahm ich von dem fernen Bett, wo ich zu liegen glaubte, Lydias Gähnen und hörte ihre Stimme dümmlich sagen, wenn ich noch nicht zu Bett käme, sollte ich doch das rote Buch bringen, das sie im Wohnzimmer gelassen habe. Es lag wirklich auf der Konsole neben meinem Sessel, und statt es ihr zu bringen, schleuderte ich es zum Bett hinüber, daß die Seiten wie Windmühlenflügel flatterten.
Vladimir Nabokov: Verzweiflung, S. 39-42.
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[20.10.2010] 
Montag morgen
Im Stockwerk über mir hat jemand vergessen, den Wörterhahn zuzudrehen.

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