Der Katafalk der Liebe

Man frage nicht: ‚Liebte sie ihn denn überhaupt?‘ Oder ‚Liebte sie ihn noch?‘. Man sage nicht: ‚Sie kann ihn nicht geliebt haben‘. Wie einer ist – groß, grad klein, rein, krumm, vertrackt, so ist seine Liebe. Es ist seine Liebe. Das besonderste was es geben kann. Hierin kann man nicht übereinkommen. Jeder rennt da plötzlich zu seinem Eckchen und in der Mitte fällt – plumps – ein Versuch normativer Art, den sie eben noch alle gemeinsam wie ein feierliches Schaugerüst errichten wollten, glatt um. Da liegts in Brettln und Trümmern. Der Katafalk dessen, wovon wir stets nur abgekommen sind.

Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege

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